Die Hürde Ossiloop 2026 wurde erfolgreich genommen
<Volker A./ Judith H.> Es gibt Dinge, die kennen nur aktive Ossiloop-Leute (plattdtsch.: Ossiloop-Lüe): Die wahre Hürde lauert schon vor dem ersten Startschuss! Ossiloop bedeutet nämlich in erster Linie: drei Wochen professionelles, absolut durchgetaktetes Zeitmanagement! Wer Familie, Beruf, Haushalt und das soziale Leben unbeschadet neben sechs Etappen Hochleistungssport meistern will, braucht keinen Trainingsplan, sondern ein Logistik-Diplom.
Da wird früher Feierabend gemacht, das Abendessen strategisch auf die Autobahn verlegt und sämtliche Verpflichtungen werden nur noch in "Zwischen-den-Etappen-Intervallen" gemessen...Aber wat mutt, dat mutt! Denn Ossiloop ist ja nur einmal im Jahr. Drei Wochen harte Arbeit und sechs Mal den inneren Schweinehund (der in Ostfriesland besonders groß und stur ist) an die Leine legen.
In diesem Jahr hieß es wieder: Vom Meer nach Leer! Also immer Richtung Süden, einmal quer durch die ostfriesische Botanik, wo der Wind bekanntlich immer von vorne kommt, egal in welche Richtung man läuft. Wer dachte, der Mai bringt uns lauschige Frühlingsgefühle, hat die Rechnung ohne den ostfriesischen Wettergott gemacht. Die sechs Läufe boten das komplette meteorologische Wellness-Programm: Von bestem „Sünnschien“ bis hin zu epischem Platzregen, der die Laufstrecke in eine kleine Wattwanderung verwandelte.
Unsere laufende Reporterin Judith beschreibt die 6. Etappe so: „Start auf dem Bünting-Gelände in Leer. Bis wenige Minuten vor dem Start haben wir noch den Plastik-Poncho getragen, gegen die Kälte, gegen den Regen. Dann ist unser Startblock dran, es geht los. Wir laufen über die Straße, rechts und links sattgrüne Wiesen, der Regen tropft von den Blättern der Bäume am Straßenrand. Auf dem nassen Asphalt klingen die Schritte der Läuferinnen und Läufer um uns herum, rhythmisch, eine Einheit bildend, laut. Es macht Spaß. Der Regen wird stärker.
Und dann, nach etwa einem Kilometer, erklingt Musik. „…und sind in diesem Haufen alle … sehr gut drauf, dann macht der Haufen gerade den Ostfriesenlauf.“ Und tatsächlich, in der Kurve, die zwei Wiesen voneinander trennt, stehen Menschen, im strömenden Regen. Sie feuern uns an, gut gelaunt. Als sei es das selbstverständlichste von der Welt, freitags abends kurz nach 19 Uhr bei 10 Grad und strömenden Regen draußen zu stehen.“
Aber wie sagt man hier oben in Ostfriesland so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung... Der Friesennerz, der gelbe Sack oder der blaue Müllbeutel sind dann angesagte Haute Couture.
Es sind genau diese Besonderheiten, die den Ossiloop so legendär machen. Er ist eine ganz eigene Mischung aus grenzenloser Freude, purem Stolz im Ziel, aber eben auch Kälte oder Nässe, fiesen Muskelschmerzen und ganz persönlichen Entbehrungen. Dabei gab es jedoch auch Momente, da wurde es allen ganz warm ums Läuferherz: Ein wunderbares Mutter-Tochter-Duo aus dem LSF-Ossiloop-Bus war dieses Jahr mit einer ganz besonderen Mission unterwegs: Sie liefen die Kilometer nicht nur für sich, sondern hielten die Erinnerung an den verstorbenen Vater bzw. Großvater lebendig. Unter dem berührenden Motto „Opa Robert im Herzen“ bewiesen die beiden, dass der Ossiloop eben viel mehr ist als nur stures Geradeauslaufen – er transportiert echte Gefühle über die Ziellinie.
Eine Läuferin fasste den herrlich verrückten Suchtfaktor im Ziel perfekt zusammen: „Es war wieder total schön. Der Ossiloop hat so eine besondere Atmosphäre! Ich habe meinem Mann schon gesagt: Falls ich im nächsten Jahr an der Teilnahme wegen Zeitnot zweifle, muss er mir jeden Zweifel sofort aus dem Kopf schlagen.“
Es lohnt sich also auf jeden Fall, die Hürde Ossiloop zu nehmen. Immer wieder!
Und sportlich? Da haben die Oldenburger mal wieder gezeigt, dass sie nicht nur im Bus eine gute Figur machen, sondern auch auf dem Asphalt! Die "Antilopen" des Vereins fackelten nicht lange und stürmten aufs Treppchen. Es wurde ordentlich Edelmetall geerntet: Sowohl die Frauen- als auch die Männer-Mannschaft sicherten sich in der Gesamtwertung jeweils den sensationellen Silberrang! Da hat sich das Quälen durch Wind, Wetter und Zeitnot doch bezahlt gemacht. In Ostfriesland sagt man dazu kurz und voller Anerkennung: Nicht schlecht! (Was quasi dem Ritterschlag entspricht).
Fazit: Der Ossiloop 2026 war wieder ein Fest für die Sinne und die Waden. Die Laufsportfreunde Oldenburg haben Ostfriesland gerockt und Leer erfolgreich erobert. Bis zum nächsten Jahr, wenn das Zeitmanagement-Karussell von vorne losgeht und es wieder heißt: Schuhe schnüren, stur bleiben und laufen!