Freddie for a Night – Don't stop me now!

von Sascha Jänicke

Eines zur Beruhigung vorab: der Namensgeber von „Freddie's Night" ist nicht Freddy Krueger, sondern der legendäre „Queen"-Sänger Freddie Mercury.

 

„Freddie's Night" ist Bestandteil des Montreux Trail Festivals, einer vier Tage dauernden Veranstaltung mit acht Läufen unterschiedlichster Längen. U.a. stehen ein Ultra Trail-Lauf über 160 KM mit 12 HKM sowie ein Kinderlauf über 2 KM auf dem Programm.

 

Angesichts der anderen Trail-Läufe handelt es sich bei „Freddie's Night" eher um eine Veranstaltung für Trail-Anfänger: 15 KM mit ca. 950 HM. Oder wie es der Veranstalter formuliert: „Eine unvergessliche Erfahrung für solche, die zum ersten Mal Trail-Luft schnuppern möchten. Laufen Sie zusammen mit Freunden durch die Nacht und geniessen Sie die spezielle Atmosphäre. Verkleiden Sie sich und lassen Sie die Schnäuze wachsen! Freddie erwartet Sie für eine lange Nacht voller Spaß, auch in den Bars von Montreux!". Einen Besenwagen o.ä. gibt es dabei nicht: „Keine Zeitbeschränkung, aber nach 06.00 Uhr erwarten unsere freiwilligen Helfer mit einem Frühstück bedient zu werden.". Aber keine Sorge, länger als 5,5h hat bisher kein Teilnehmer benötigt.

 

Bei der zweiten Auflage des Montreux Trail Festivals waren Niels Heinemann und Klaus Hempen für die LSF am Start. Und es war schon zu Rennbeginn klar, dass Niels lediglich ins Ziel kommen muss, um eine neue deutsche Bestleistung in der Klasse „V2H" zu erzielen. Kein Wunder, denn immerhin wäre er der erste deutsche „V2H"-Läufer, der bis dato in Ziel gekommen wäre. Tja, Statistik kann so schön nichtssagend sein...

(Anmerkung: „V2H" steht für „Veteran 2 Hommes", was derzeit die Männer der Jahrgänge 1959 bis 1968 umfasst.)

 

Der Veranstaltungstag begann mit der bitteren Erkenntnis, dass Langzeitwetterprognosen durchaus korrekt sein können. Ausgerechnet für den Samstag wurde schon seit Tagen eine Unterbrechung der auch in der Genfersee-Region lang anhaltenden Schönwetterphase angekündigt. Und tatsächlich versprachen Gewitter und Dauerregen zu Tagesbeginn keine guten Rahmenbedingungen. Aber am Nachmittag riss die Wolkendecke auf und die Folgen des Regens waren später auf der Laufstrecke nur noch an wenigen Stellen zu spüren.

 

Der Aufforderung des Veranstalters sich zu verkleiden, kamen leider nur wenige Teilnehmer*innen nach. Aber immerhin trugen die meisten beim Start einen Schnäuzer, welcher vom Veranstalter zur Verfügung gestellt wurde. Niels und Klaus ließen es sich jedoch nicht nehmen sich zu verkleiden und orientierten sich dabei am „I want to break free"-Video (Niels) sowie am „Flash Gordon"-Bühnen-Outfit (Klaus). Niels wurde in seinem Laufdress mehr als nur einmal von den Zuschauern mehr oder weniger heimlich fotografiert.

 

Nach der schon traditionellen „Verneigung" der Starter in Richtung der Freddie-Mercury-Statue setzte sich das Teilnehmerfeld um 20:30 Uhr zu den Klängen von „We will rock you!" in Bewegung. Durch enge und steile Gassen ging es zunächst durch das „alte Montreux" und dann größtenteils über nicht minder enge und steile Wanderwege, Naturpfade und Naturtreppen via Sonzier und Chernex nach Le Cubly. Da man recht schnell im Wald unterwegs war, empfahl es sich die Lauflampe stets einsatzbereit zu haben. Und wer schon mal über die Treppen von Lämmershagen (Hermannslauf) oder die enge Bahntreppe beim Ossiloop geschimpft hat, dem drohte am Ende des knapp 5,5 KM langen Aufstiegs sein blaues Wunder: eine Kombination aus Lämmershagen und noch engerer Bahntreppe, wobei man dann bereits 700 HM in den Beinen hatte!

 

Bei der ersten Verpflegungs- und Kontrollstation gab es die Möglichkeit Erinnerungsfotos bzw. Fotos für diesen Bericht vor einer herrlichen Landschaft zu schießen, einen Feuerspucker zu bewundern oder einfach weiter zu laufen.

tl_files/berichte/2018/Quartal III 2018/Freddys Night/06 Kontrollpunkt Klaus.jpg

 

Sehr schön war, dass unterwegs immer wieder unterschiedliche Musiker*innen die Läufer*innen erwarteten: mal war es eine Samba-Truppe, mal ein Dudelsackspieler, dann waren Alphornbläser, Gitarren-Solistinnen oder gegen Ende des Laufes die Musiker auf dem Marktplatz von Montreux zu hören.

 

Vom Kontrollpunkt ging es in der Gewissheit das „Schlimmste" geschafft zu haben über Les Avents zur Schlucht von Chauderon. Der Weg dorthin verläuft bergab über teilweise gut befestigte Straßen, sodass auch der norddeutsche Straßenläufer hier ordentlich Tempo machen konnte. Eine völlig neue Erfahrung war schließlich der mehrere Kilometer lange Abschnitt durch die Schlucht. Im Licht der Stirn- und Brustlampen über mitunter feuchte Steine und Baumwurzeln zu laufen war dabei mehr als nur „prickelnd". Aufgrund der Dunkelheit und der Fokussierung auf den Weg unmittelbar vor den eigenen Füßen, bekam man von der Schlucht aber im Grunde nur das Rauschen des Baches mit. Die Unterquerung der Autobahnhochbrücke von Montreux kündigte schließlich das Ende der Schlucht sowie den Endspurt entlang der Uferpromenade zum Marktplatz an.

 

Da der Start- und Zielbereich sehr zentral liegt, bot sich nach der Dusche und einer kostenlosen Massage die Möglichkeit die gesammelten Eindrücke z.B. in einem Irish Pub zu „verdauen". Oder aber man trank auf dem „heimischen" Balkon noch ein oder mehrere Gläschen gut gekühlten schweizer Rosé-Wein im Kreise seiner Lieben.

 

Insgesamt war unser erster richtiger Trail eine wunderbare und begeisternde Erfahrung, die förmlich nach einer Wiederholung schreit! Auch wenn schon einige Tage seit dem Lauf vergangen sind, wirken die Eindrücke und Emotionen immer noch nach.

 

Für weitere Informationen zum Montreux Trail Festival siehe auch hier: https://montreux-trail.ch/de/. Dort kann u.a. auch das Streckenprofil der einzelnen Läufe eingesehen werden.

 

Abschließend gibt es noch einige Erkenntnisse, die wir gerne teilen möchten:

 

Erstens: Von der Verwendung von Brustlampen ist bei nächtlichen Trails abzuraten. Stirnlampen sind hier wesentlich besser geeignet, da der Lichtkegel bergab besser steuerbar ist.

 

Zweitens: Auch „Standard-Laufschuhe" mit grobem Profil sind nur bedingt bei feuchten oder nassen Trails geeignet.

 

Drittens: Wanderungen mit ordentlich Höhenmetern im Vorfeld eines Trails sind durchaus empfehlenswert, da sie für eine gewisse „Steigungshärte" sorgen.

 

 

Hier sind die Videos des Zieleinlaufs zu finden, Qualität eher bescheiden, war aber ja auch dunkel. Niels hatte die Nummer 5175 und Klaus die Nummer 5000.

 

Zurück