Der “Hermann” - schönster Lauf in OWL

von Sascha Jänicke

Gemeint ist damit der Hermannslauf, der vom Hermannsdenkmal in Detmold über 31.1 km zur Sparrenburg nach Bielefeld führt. Gelaufen wird dabei größtenteils auf dem Hermannsweg und auf unterschiedlichstem Untergrund: Asphalt, Beton, Kopfsteinpflaster sowie Wald- und Sandboden. Trotz der ca. 568 Höhenmeter handelt es sich offiziell um einen Bergablauf (Abstieg ca. 774Hm). Wer den “Hermann” bereits absolviert hat, bei dem wecken Stationen wie Panzerstraße, Oerlinghausen und Lämmershagen bestimmt Erinnerungen.

Die Vorbereitung auf einen Hermannslauf beginnt spätestens am zweiten Sonntag im Januar. Dann öffnet pünktlich um 0 Uhr die Online-Anmeldung und die 7.000 Startplätze sind binnen weniger Stunden vergeben. Bei der Anmeldung kann auch die Läufer-Lounge gebucht werden. Dabei handelt es sich um eine Frühstücksmöglichkeit in einer Gastronomie oben am Hermannsdenkmal. Damit verbunden sind neben dem Frühstück auch Annehmlichkeiten wie ein Sitzplatz im Warmen und Trockenen sowie saubere Toiletten ohne Schlangen davor. Soweit die Theorie - in der Praxis hat die Gastronomie vor Kurzem Insolvenz angemeldet, sodass das Vorort-Frühstück in diesem Jahr ausgefallen ist. Für Spätentschlossene gibt es übrigens auch eine offizielle Startplatzbörse, auf der Startplätze ver- und gekauft werden können.


Weiterhin bietet der Veranstalter eine  Übernachtungsmöglichkeit inkl. Frühstück in einer Turnhalle in unmittelbarer Nähe des Abfahrtsorts der Busse an. Was zunächst nach einer unruhigen Nacht klingt, ist laut Insider-Informationen aufgrund recht weniger Sporthallenschläfer eher “entspannend”.

Nach erfolgreicher Anmeldung und vielen Trainingseinheiten auf dem Utkiek oder an der Huntebrücke beginnt das Erlebnis “Hermannslauf” mit einem gemeinsamen Abendessen der Oldenburger Starter am Vorabend im “Il Monastero”. “Ausrichter” ist das Team Laufrausch, wobei auch Läufer(innen) anderer Oldenburger Vereine gern gesehene Gäste sind. Aufgrund der Beliebtheit des Restaurants empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung bei einem “Laufrausch-Hermann”.


Wer nach dem Essen und dem nachfolgenden, obligatorischen Abstecher in einen nahe gelegenen Irish Pub noch immer nicht müde ist, der kann bei einem Streifzug durch Bielefeld die “Nachtansichten” bewundern - eine lange Nacht der Museen gepaart mit Live-Auftritten und Illuminationen an Gebäuden.

Der Veranstaltungstag startet mit einem Sternlauf der Teilnehmer: Aus nahezu allen Richtungen strömen Läuferinnen und Läufer zum Abfahrtsort der Shuttle-Busse. Dabei sind mehr als 120 Busse aus ganz OWL im Einsatz. Aufgrund der nahezu perfekten Organisation hält sich die Wartezeit hier in Grenzen. Die Fahrt nach Detmold dauert ca. 45 Minuten und gibt einen ersten Eindruck auf das, was auf den Läufer wartet.

Pünktlich um 11 Uhr machen sich nach dem Startschuss ca. 7.000 Starter zu den Klängen von “Highway to hell” auf den Weg und nach der Bus-Kolonne zieht sich die nächste Kolonne durch die Landschaft. Wer von der langen “Läuferschlange” beim Ossiloop begeistert ist, der wird beeindruckt sein von der großen Läuferzahl, die sich durch den Teutoburger Wald schlängelt. Um alles zu entzerren wird in drei Blöcken gestartet. Und “Highway to hell” werden Läufer auf ihrem Wege noch häufiger hören...

Nach dem Start geht es die ersten vier Kilometer größtenteils bergab. Auch dieses sollte trainiert werden, da man schon hier viele Körner verlieren kann. Spätestens beim Posaunenchor ist der Läufer im “Hermann” angekommen. Bei Klaus’ ersten beiden Teilnahmen spielte die Gruppe stets “Gonna fly now” - in diesem Jahr aber “Atemlos”. Okay, passt irgendwie auch. Aber Rocky Balboa setzt wesentlich mehr Kräfte frei…

Was den “Hermann” so reizvoll macht, ist auch der Wechsel zwischen Natur und Zuschauermassen. Obwohl man zusammen mit ca. 7.000 weiteren Läufern unterwegs ist, kann man sehr stark die aufblühende Natur inkl. Vogelgezwitscher wahrnehmen. Und auf einmal sind da wieder Zuschauergruppen, welche die Läufer lautstark anfeuern. Und dann ist wieder Natur angesagt. Zum ersten Mal richtig voll wird es an der Panzerstraße - einer Betonstraße auf militärischem Sicherheitsgelände. Ca. acht Kilometer später ist ab der  Kumsttonne, einem Windmühlenstumpf, das nächste Highlight schon hörbar: Die Stimmung bei der Durchquerung von Oerlinghausen kann sich mit viel größeren Städten messen. Bei regnerischem Wetter soll das Kopfsteinpflaster allerdings sehr rutschig werden.

 

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Hermann 2012 - Auftankenin Oerlinghausen

Und dann wird es richtig hart! Nach knapp 20 gelaufenen Kilometern kündigt sich Lämmershagen mit zum Teil sehr lang gezogenen Steigungen an, die einem den Zahn ziehen können. Diese Passage endet mit einer Autobahnbrücke und der berühmt berüchtigten Naturtreppe von Lämmershagen (120 Treppenstufen und 45 HM). Danach geht es weiter bergauf bis zum “Eisernen Anton”. Dieser Turm ist schließlich auch das Zeichen, dass das Schlimmste überstanden ist. Danach wartet nur noch ein steiler Anstieg auf den Läufer und ab KM 28 geht es eigentlich nur noch bergab bis ins Ziel. Und es wird aufgrund der Zuschauermassen im Zieleinlauf an der Sparrenburg immer lauter. Spätestens ab jetzt ist Genießen angesagt. Zum Schluss folgt natürlich noch die Übergabe der Finisher-Medaille, die jedem Läufer “Du bist HERMANN!” sagt.

Wem der “Hermann” in seiner aktuellen Form zu anstrengend ist, der sollte bedenken, dass er in den ersten Zeit andersherum, also von Bielefeld nach Detmold, geführt hat und somit ein echter Bergauflauf war - inkl. 200 Hm auf den letzten drei Kilometern…

Egal in welcher Richtung die Strecke absolviert wird - beim “Hermann” handelt es sich trotz seiner “nur” 31.1 km um einen gefühlten Marathon.

Der auf einem der Fotos abgebildete Feuerwehrmann hat den Hermannslauf übrigens in kompletter Schutzausstattung absolviert - und das an seinem 40. Geburtstag! Zur Belohnung hat ihm der komplette Startblock C mit einem Geburtstagsständchen gratuliert.

Bildquellen: Neue Westfälische, Radio Bielefeld

Renates Zielvideo: https://www.davengo.com/event/result/47-hermannslauf-2018/detail/dOluJQ3RI_GtWdH8V4LQaPtKHGGlO_HyyGIxCwIvOts


Gruß, Klaus

 

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